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Ein Gemeinschaftsprojekt von Wildtier- und Artenschutzstation e.V. & aktion tier - menschen für tiere e.V., anerkannt und gefördert durch das Land Niedersachsen  
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Pflegegäste
An dieser Stelle möchen wir Ihnen einige Pflegegäste und deren Geschichten vorstellen:
April 2011
Finnischer Fischadler kann die Heimreise fortsetzen 

Aus der Greifvogelstation Moringen im Landkreis Northeim wurde ein leicht verletzter Fischadler in die Wildtierstation Sachsenhagen eingeliefert. Der mit einem Ring des Zoologischen Museum Helsinki gekennzeichnete Vogel hatte sich in einem Netz über Fischteichen verfangen.

Gabi Sindram, Falknerin und Leiterin der Greifvogelstation Moringen, erklärte, dass der Vogel sich bereits auf dem Weg der Besserung befunden habe. Die Größe der Flugvolieren sei aber nicht ausreichend, um die Flugfähigkeit und damit die Wildbahntauglichkeit des Fischadlers zu testen. Da in der Wildtierstation in Sachsenhagen große Volieren vorhanden sind, die dem Vogel ein ausreichendes Flugtraining ermöglichen, wurde eine Übernahme vereinbart. Bei der gründlichen Eingangsuntersuchung durch den Stationsleiter und Tierarzt Dr. Florian Brandes und dem anschließenden Flugtraining konnte dann festgestellt werden, dass der Vogel sich in einem guten Zustand befand und am folgenden Tag in die freie Wildbahn entlassen werden konnte.

Fischadler sind in unseren Breiten Zugvögel, weil sie in den zugefrorenen Gewässern im Winter keine Nahrung finden. Sie verlassen im Herbst ihre Brutgebiete und ziehen über den Mittelmeerraum bis nach Afrika. Ab Ende März kehren sie aus den Überwinterungsgebieten zurück, wie dies auch in den vergangenen Tagen schon am Steinhuder Meer beobachtet werden konnte. Der in die Wildtierstation eingelieferte Vogel befand sich offensichtlich gerade auf dem Rückzug nach Nordeuropa, als er sich in dem Netz verfing. Dies ist nicht der erste Fall dieser Art und leider haben solche Unfälle nicht immer einen so glücklichen Ausgang. Oft verenden Vögel qualvoll in den Maschen solcher Netze, die zur Abwehr von Fischfressern wie Graureihern oder Kormoranen über die Fischteiche gespannt werden. Wenn es sich dabei um eine in Deutschland so bedrohte Art wie den Fischadler handelt, ist dies natürlich besonders schmerzlich.

Nun hoffen wir, dass der Vogel sein heimatliches Brutgebiet erreichen wird. Die Nummer des Ringes wurde bereits an die Vogelwarte Helgoland gemeldet und die Mitarbeiter der Wildtierstation warten mit Spannung darauf, mehr über Alter und Herkunft des Vogels zu erfahren.


Stationsleiter Dr. Florian Brandes entlässt den Fischadler in die Freiheit.

März 2011
Lannerfalke "Lina" wohlbehalten zurück
Familienzusammenführung in der Wildtierstation

„Jetzt ist der Tag gerettet!“, freute sich Jörg Ahrend, als Stationleiter Dr. Florian Brandes ihm mitteilte, dass er seinen Lannerfalken „Lina“ wohlbehalten in der Wildtierstation abholen kann. Ahrend ist Falkner im Tierpark Müden/Örtze. Seit drei Wochen vermisste er seinen Falken, der bei einem Freiflug das Weite gesucht hatte. Die Erkundungstour endete schließlich in Helstorf bei Neustadt. Dort wurde der entkräftete Greifvogel eingefangen und in die Wildtierstation gebracht. „Das Tier war zwar abgemagert, aber insgesamt in einem guten Zustand“, erklärt Brandes. Über die Ringnummer und nach etlichen Telefonaten quer durch ganz Deutschland war der Halter ermittelt, was endlich die „Familienzusammenführung“ ermöglichte.


Jörg Ahrend ist froh, dass er seinen Lannerfalken „Lina“ wohlbehalten in der Wildtierstation abholen konnte.

Dezember 2010
Wildtierstation nimmt entkräftete Greifvögel auf
Bereits 50 Winteropfer benötigen intensive Pflege

Der harte Winter fordert zunehmend Opfer in der heimischen Tierwelt. Die Mitarbeiter der Wildtierstation betreuen bereits etwa 50 entkräftete Greifvögel und Eulen, die unter der Nahrungsknappheit besonders leiden. Die entkräfteten Tiere, die durch aufmerksame Menschen aufgelesen und in die Auffangstation gebracht werden, benötigen intensive Pflege. Neben der Behandlung von Verletzungen wird bei starker Unterernährung mehrmals täglich per Sonde eine spezielle Nährlösung verabreicht, da die entkräfteten Tiere nicht mehr in der Lage sind, feste Nahrung zu verdauen.

Derzeit werden etliche Mäusebussarde, Turmfalken und Schleiereulen, aber auch Graureiher, Schwäne sowie Blässhühner versorgt, die vollkommen abgemagert in der Wildtierstation eingeliefert wurden. „Außerdem erhalten wir in diesen Tagen vermehrt Anrufe besorgter Bürger, die geschwächte Tiere beobachtet haben“, so Brandes. Auch würden jetzt oft Schwäne auf den verschneiten Äckern gesichtet, die dort unter dem Schnee nach frischen Grünpflanzen suchen. Brandes empfiehlt, diese Tiere in Ruhe zu lassen. „Die Tiere ruhen viel, sie haben sozusagen auf Energiesparmodus umgeschaltet - jede Störung bedeutet für sie, wertvolle Energie zu verbrauchen.“


Heimische Greifvögel – hier ein Mäusebussard – haben große Schwierigkeiten, genügend Nahrung zu finden.

November 2010
Keine Bange vor der Schlange!
Wildtierstation nimmt Riesenschlangen in Pflege

Die Wildtierstation musste kurzfristig etliche Riesenschlangen in Obhut nehmen. Weil der Besitzer inhaftiert wurde, waren die Tiere ohne sachkundige Versorgung in der Wohnung zurückgeblieben. Verwandte und Bekannte des Halters sahen sich nicht in der Lage, die zum Teil sehr großen und gefährlichen Tiere weiterzupflegen. Während einige kleinere Schlangen noch direkt vermittelt werden konnten, fanden sich für die größten Exemplare keine seriösen Interessenten. Da nur wenige Auffangstationen den notwendigen Platz für solch große Schlangen bereitstellen können, baten die zuständigen Behörden die Wildtierstation um kurzfristige Aufnahme der Tiere.

Eile war geboten, denn die Energiewerke hatten aufgrund unbezahlter Rechnungen bereits die Heizung für die Wohnung abgedreht. Bei den derzeitigen Außentemperaturen drohten die aus tropischen Regionen stammenden und Wärme liebenden Schlangen gesundheitlichen Schaden zu nehmen.


Tierpfleger Jürgen Müller mit dem 4 m langen Tigerpython "Berta"
- sie wiegt knapp 40 kg.


Drei Mitarbeiter der Wildtierstation waren notwendig, um die bis 4 m langen Schlangen für den Transport sicher zu verpacken. Diese fanden nun in der Wildtierstation Aufnahme und werden von hier an Zoos weitervermittelt, die in der Lage sind, diese Tiere artgerecht unterzubringen. „Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass sich gerade sozial schwache oder unzuverlässige Personen Reptilien anschaffen, die dann oft illegal und schlecht gehalten werden“, stellt Stationsleiter Dr. Florian Brandes fest.

Mit mehreren Netz- und Tigerpythons befinden sich Arten in der Wildtierstation, die zu den längsten Schlangen der Welt zählen. Während der Tigerpython nur in Ausnahmefällen über 5 m lang wird, erreicht der Netzpython regelmäßig eine Gesamtlänge von über 7 Metern und ein Gewicht von über 100 Kilogramm. Das sei vielen Haltern beim Kauf der jungen Tiere gar nicht bewusst, erklärt Brandes.



Der Netzpython gilt mit nachgewiesenen 9,99 m als "längste" Schlange der Welt.

Juli 2010
Mutwillig Brutplätze von Mauerseglern zerstört!
Wildtierstation erstattet Anzeige

„Das ist wirklich unglaublich!“ Tierpfleger Jürgen Müller ist empört. Gerade hatte er die Aufnahme von vier jungen Mauerseglern abgelehnt, weil in der Wildtierstation seit einigen Tagen ein Aufnahmestopp für Mauersegler und Schwalben gilt.
Der „Finder“ hatte die Mauersegler in einem schwarzen Maurereimer mitgebracht und als Einlieferungsgrund die Neueindeckung seines Hausdaches genannt. Die Hinweise des Mitarbeiters auf den Schutzstatus der Tiere und sein gesetzeswidriges Verhalten beim Zerstören der Brutstätte hatte er mit einem Achselzucken abgetan. Dies sei ihm alles bekannt, er könne aber keine Rücksicht darauf nehmen. Kurze Zeit später wurde der Maurereimer mit den vier Mauerseglern vor dem Tor der Wildtierstation abgestellt, Zeugen beobachteten, wie ein metallic-silbergraues Fahrzeug in Caddy-Form davon brauste. „Das mutwillige Zerstören der Brutplätze ist ein Verstoß gegen das Tier- und Artenschutzgesetz. Uns damit auch noch viel Arbeit zu hinterlassen ist absolut unverschämt und rücksichtslos“, erklärt Müller. Die Leitung der Wildtierstation wird auf jeden Fall Anzeige erstatten und hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung.



Tierpfleger Jürgen Müller ist sauer: „Dieser Maurereimer mit vier jungen Mauerseglern wurde vor dem Tor der Wildtierstation abgestellt.“



Juli 2010
Hitze: Junge Mauersegler stürzen ab
Mühsame Handaufzucht in der Wildtierstation

In der Wildtierstation werden zunehmend junge Mauersegler eingeliefert, die von Spaziergängern geschwächt und dehydriert am Boden aufgefunden wurden. „Mittlerweile versorgen unsere Mitarbeiter schon 48 Mauersegler“, bestätigt Stationsleiter Dr. Florian Brandes. „Offensichtlich macht die extreme Hitze den Jungvögeln zu schaffen.“ Als Gebäudebrüter nisten die Mauersegler bevorzugt in Spalten und Nischen im Dachbereich. Hier ist die Hitzeentwicklung durch die Sonneneinstrahlung besonders stark. Bei dem Versuch, am Nestrand Abkühlung zu finden, kann es leicht passieren, dass die jungen Mauersegler abstürzen.


Sämtliche Aufzuchtboxen für Mauersegler sind belegt.

Ein noch nicht flugfähig aufgefundener Jungsegler ist in jedem Fall auf Hilfe angewiesen, denn Mauersegler füttern ihre Jungen nur im Nest. „Die Handaufzucht ist schwierig, weil diese Vogelart beim Füttern nicht bereitwillig den Schnabel aufsperrt, wie man es von Singvögeln kennt“, so Brandes. Hinzu kommt, dass Mauersegler sich in der Natur ausschließlich von Insekten ernähren, die sie im Flug erbeuten. Da die natürliche Nahrung unverzichtbar für eine gute Gefiederentwicklung ist, sollten während der Handaufzucht vorwiegend Heimchen und Drohnenbrut als Ersatzfutter verwendet werden.



Die Handaufzucht von jungen Mauerseglern ist schwierig und sollte nur von erfahrenen Pflegern durchgeführt werden.

Juli 2010
Kleine Schwalbe reist mit dem Frachtschiff an

Eine kleine Mehlschwalbe ist auf ungewöhnlichem Wege in die Wildtierstation gelangt. Nachdem Binnenschiffer Robert Scheermann das Schwalbenjunge auf seinem Frachtschiff „Antaro“ entdeckt hatte, nahm er es kurzerhand auf seiner Weiterfahrt auf dem Dortmund-Ems-Kanal mit. Freundin Katrin Heitkamp widmete sich an Bord der Pflege des kleinen Vogels und fütterte ihn eine Woche lang mit Fliegen und kleinen Würmern. Für die weitere Versorgung und die anschließende Auswilderung wurden die Mitarbeiter der Wildtierstation telefonisch um Hilfe gebeten. „Das können wir beim besten Willen auf unserem Schiff nicht bewerkstelligen.“, schmunzelt Scheermann. Und so verabredete man ein Treffen im Zuge der Weiterfahrt auf dem Mittellandkanal. Am Freitagnachmittag legte die „Antaro“ einen Zwischenstopp am Hafen Pollhagen ein, wo bereits Christopher Gade, Mitarbeiter der Wildtierstation, wartete, um den Vogel in Empfang zu nehmen: „Die Schwalbe ist gut entwickelt und munter. Sie wird bald gemeinsam mit anderen Jungschwalben vom Auswilderungskasten ihre ersten Flugversuche machen.“, versichert Gade.


Christopher Gade nimmt die kleine Schwalbe am Hafen Pollhagen in Empfang.

Juli 2010
Landschildkröten auf Wanderschaft

In der Wildtierstation macht die Hitze den Mitarbeitern zu schaffen. „Wir sind alle ziemlich erschöpft“, bestätigt Tierpfleger Jürgen Müller. Den Tieren bereiten die hohen Temperaturen weniger Probleme. In allen Gehegen sind Rückzugsmöglichkeiten und schattige Bereiche vorhanden. Optimale Verhältnisse bietet dieses Wetter für die Landschildkröten. Sie fühlen sich bei den hochsommerlichen Temperaturen richtig wohl und sind besonders aktiv. „Das merkt man schon daran, dass sie wesentlich mehr fressen, weil der Stoffwechsel höher ist“, erläutert Müller. Unter diesen Bedingungen begeben sich die Tiere auch gern auf Wanderschaft. So kommt es, dass in den letzten Tagen vermehrt Landschildkröten als Fundtiere in der Wildtierstation eingeliefert werden. „Unsere Aufnahmekapazitäten sind mit vierzig Tieren bei den Landschildkröten nahezu ausgeschöpft.“, so Müller. „Eigentümer können ihre Tiere gegen Vorlage entsprechender Nachweise abholen.“


Die Landschildkröten fressen bei den hochsommerlichen Temperaturen wesentlich mehr, weil der Stoffwechsel höher ist.

HINTERGRUND:
Landschildkröten sind für die Verdauung ihrer überwiegend vegetarischen Nahrung auf die Zufuhr von Sonnenenergie angewiesen. Sie können die nötige Körperwärme nicht selbst erzeugen, sondern müssen sie, ihren jeweiligen Bedürfnissen entsprechend, durch Ortswechsel von schattigen zu sonnigen Plätzen beeinflussen. Für die einwandfreie Verdauung ihrer faserreichen Nahrung benötigen sie für einige Stunden am Tag Körpertemperaturen um 25 bis 30 °C.


März 2010
Seltene Riesenschlangen in der Wildtierstation

Niedersächsische Behörden verhindern illegale Einfuhr von 124 Baumpythons

Dank dem umfangreichen Ausbau der Reptilienhaltung in den letzten Jahren ist die Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen in der Lage, Behörden beim Vollzug des Artenschutzes zu helfen und auch eine größere Anzahl von Exoten artgerecht unterzubringen und zu versorgen.


Die Grünen Baumpythons sind in einem sehr schlechten Gesundheitszustand

So baten niedersächsische Behörden um schnelle Hilfe, als es darum ging, 124 Exemplare einer seltenen und geschützten Riesenschlangenart unterzubringen.
Bei einer Zollkontrolle im Landkreis Bentheim an der niederländischen Grenze waren die in vier Plastikboxen versteckten Grünen Baumpythons in einem belgischen PKW entdeckt worden. Da der Besitzer die nach dem Artenschutzrecht erforderlichen Papiere nicht vorweisen konnte, sondern lediglich gefälschte Kaufbelege aus Italien vorlegte, wurden die Tiere sofort beschlagnahmt.

„Bei den Schlangen handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um illegale Wildfänge.“, berichtet Stationsleiter Dr. Florian Brandes. „Die Tiere sind in einem sehr schlechten Zustand, sie leiden unter extremer Dehydrierung und starkem Parasitenbefall.“ Bis zur Aufnahme in der Wildtierstation seien bereits etwa einhundert Tiere verstorben. Hier bemühe man sich nun mit allen Kräften, die verbleibenden Exemplare zu retten. Brandes kritisiert die skrupellose Vorgehensweise im illegalen Tierhandel: „Beim Transport der Tiere werden ganz bewusst hohe Verluste in Kauf genommen. Selbst wenn nur wenige Tiere überleben, ist noch ein Gewinn zu machen.“


Trotz intensiver tierärztlicher Bemühungen versterben täglich weitere Tiere



HINTERGRUND
(Quelle: Pressemitteilung des Nds. Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz vom 15.03.2010)
Der illegale Handel mit seltenen Wildtieren und Wildpflanzen ist kein Kavaliersdelikt. Das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) wurde 1973 beschlossen, um den Handel mit bedrohten Arten zu verbieten. 172 Mitgliedsstaaten haben das Abkommen bereits unterzeichnet, das auf 5.000 Tierarten und rund 28.000 Pflanzenarten angewendet wird, die durch den internationalen Handel in ihren Beständen bedroht sind. Eine Einfuhr nach Deutschland dieser CITES-Arten ist nur mit einer Genehmigung des Bundesamtes für Naturschutz erlaubt. In Niedersachsen beschlagnahmte der Zoll allein im vergangenen Jahr 117 lebende Wildtiere.


März 2010
Wildtierstation übernimmt Dingos aus ehemaligem Tierpark Kalletal

Zwei elf Jahre alte Dingos aus dem ehemaligen Tierpark Kalletal haben in der Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen zunächst ein neues Zuhause gefunden. Die Wildtierstation versucht auch bei der Vermittlung der anderen Tiere weiterzuhelfen.


Die beiden Dingos sind in der unbekannten Umgebung noch etwas scheu.

Schon seit längerem wurde in der regionalen Presse über finanzielle Probleme und die unsichere Zukunft des Tierparks informiert. Immer wieder wandten sich Tierschützer auch an die Wildtierstation und berichteten von Problemen. Ende letzten Jahres wechselte der Park noch einmal den Besitzer, dieser bekam aber vom Landkreis nicht die erforderlichen Genehmigungen zum Betrieb des Parkes. Jetzt kümmern sich die Behörden um die Notversorgung und die Vermittlung der inzwischen offiziell beschlagnahmten Tiere.

Probleme bereiten noch die vier Tiger, zwei Schimpansen und drei Wölfe. Glück hatten die beiden Dingos, die von Mitarbeitern der Wildtierstation vor wenigen Tagen abgeholt wurden. Aufgrund der ungewohnten Umgebung sind sie noch etwas scheu, fressen aber gut und sind ihrem Alter entsprechend in einem guten Gesundheitszustand. „Wir sind froh, dass die Tierhaltung im ehemaligen Tierpark Kalletal nun offiziell ein Ende hat.“, bestätigt Stationsleiter Dr. Florian Brandes.


März 2010
Früher Start in die Jungtiersaison

Erste Feldhasen in der Wildtierstation aufgenommen

Für die Mitarbeiter der Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen hat die Jungtierzeit begonnen. In den vergangenen Tagen wurden die ersten Feldhasen von Spaziergängern eingeliefert.
Stationsleiter Dr. Florian Brandes nimmt dies zum Anlass, dringend darauf hinzuweisen, dass gerade junge Feldhasen, die noch keine Fluchtreaktion zeigen, häufig von Spaziergängern entdeckt und aus Unkenntnis mitgenommen werden. „Es fehlt eindeutig das Wissen über die natürlichen Verhältnisse.“, meint Brandes.
Feldhasen werden in der offenen Landschaft geboren. Sie kommen mit offenen Augen und vollständig behaart zur Welt. Die Jungen werden bald nach der Geburt von dem Muttertier verlassen. Jedoch kehrt die Häsin regelmäßig ein- oder zweimal täglich zum Säugen zurück. Während dieser Zeit verhalten die Jungtiere sich vollkommen ruhig und bewegen sich in den ersten Tagen fast nicht vom Fleck. Auf Störung reagieren sie mit einem Duckreflex, der erst, wenn sie schneller laufen können, in den Fluchtreflex übergeht.


Trotz guter Tarnung werden junge Feldhasen immer wieder von Spaziergängern entdeckt und aus Unkenntnis mitgenommen.

„Besonders schwierig ist es, wohlmeinenden Tierfreunden verständlich zu machen, dass auch ein im März im Schnee entdecktes Hasenjunges nicht verwaist ist und sofort wieder zurück in die winterliche Natur gebracht werden muss, damit seine Mutter es wieder finden kann.“, erklärt Brandes. Das dichte Fell sei auf winterliche Temperaturen und Schnee ausgelegt und auch dass es angefasst wurde, sei kein Argument gegen das Zurückbringen. „Versehentlich gefundene, gesunde Feldhasenjunge dürfen auf keinen Fall gestört werden. Spaziergänger sollten sich so schnell wie möglich entfernen und Hunde an die Leine nehmen.“


Dezember 2009
Das Comeback der Biber

„Auf die Aufnahme von Bibern sind wir nicht gut vorbereitet.“ gesteht Stationsleiter Florian Brandes. „Eigentlich kommen die in unserer Region noch gar nicht vor.“ Und doch wurde in der vergangenen Woche ein Biber vom Dümmer See durch Mitarbeiter des Landkreises Diepholz in der Wildtierstation eingeliefert.

Nachdem der Europäische Biber (Castor fiber) in den 1930er Jahren fast völlig ausgestorben war, haben sich seine Bestände in Deutschland inzwischen wieder gut erholt. Wiederansiedlungsmaßnahmen und die natürliche Wiederausbreitung nach seiner Unterschutzstellung haben dazu geführt, dass es heute wieder rund 12.000 Biber in Deutschland gibt. In Niedersachsen hat sich der Biber entlang der Elbe und in den letzten Jahren auch entlang der Weser und der Hase (durch Wiederansiedlung) ausgebreitet. Dass er weitere Gebiete seines ursprünglichen Lebensraumes zurückerobert, ist wahrscheinlich.


In seinem Quartier in der Wildtierstation benötigt der junge Biber viele Äste zum Zernagen.

Schon seit einigen Wochen werden am Dümmer See Biber beobachtet. Ob diese aus den Populationen an Weser oder Hase eingewandert sind, oder etwa heimlich ausgewildert wurden, ist noch unklar. Nachdem man Proben eines überfahrenen Tieres genetisch untersucht hat, ist sicher, dass es sich um Europäische Biber handelt. Die Diskussionen um eine mögliche Wiederansiedlung am Dümmer See sind damit wohl von der Realität überholt worden, da man den Europäischen Biber als geschützte Art in seinem Lebensraum nicht stören darf.

Bei dem in der Wildtierstation aufgenommenen Biber handelt es sich um ein Jungtier, das längere Zeit ohne Familienanschluss beobachtet wurde. Da es so den Winter nicht überleben kann, wurde es in Zusammenarbeit von Landkreis Diepholz und Naturschutzring Dümmer e.V. mit Hilfe einer Kastenfalle eingefangen. Die Mitarbeiter der Wildtierstation hoffen nun, dass der kleine Biber bei guter Pflege über den Winter ordentlich zunimmt und im nächsten Frühjahr an den Dümmer zurückgebracht werden kann.

November 2009
Zwergesel „Peppi“ zieht in die Wildtierstation ein

Kaum ist der neue Haustierstall in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen fertig gestellt, sind die meisten Boxen auch schon belegt. So freuen sich die Hühner über ihre neue komfortablere Unterkunft und auch die beiden betagten Hausschweine „Schnitzel“ und „Knödel“ können den kommenden Winter in einer wärmeren Box verbringen.

Ein Neuling ist hingegen „Peppi“, der Mazedonische Zwerg- oder Gebirgsesel, der vor wenigen Tagen aus dem Tiergarten Ulm an die Wildtierstation abgegeben wurde. Diese Eselrasse war früher in seiner Heimat ein häufiges Haustier, das auch im felsigen Gelände als ausdauerndes und ruhiges Zug- und Reittier eingesetzt wurde. In vielen Gegenden haben Esel heute ihre wirtschaftliche Bedeutung verloren und werden nur noch als Liebhabertiere gehalten.



Peppi wurde in diesem Frühjahr geboren und nicht von seiner Mutter angenommen. So mussten die Mitarbeiter des Tiergartens ihn mit der Flasche aufziehen. Darum kennt er keine Scheu und auch wenig Respekt vor Menschen, Hunden und anderen Tieren, die er in seiner Jugend während der Handaufzucht kennen gelernt hat. Entsprechend gern inspiziert er auch mal die Futterküche oder andere Räumlichkeiten und frisst den Tierpflegern das Pausenbrot vom Tisch, wenn sie nicht aufpassen. „Da wir in der Wildtierstation viel Erfahrung mit solchen „ungezogenen“ Pfleglingen haben, werden wir ihm schon noch Manieren beibringen.“, verspricht Stationsleiter Florian Brandes mit einem Augenzwinkern.

Im Gegensatz zu den vielen anderen Tieren, die in der Wildtierstation aufgenommen werden, darf Peppi dauerhaft dort bleiben. Wer eine Patenschaft für Peppi oder eines der vielen anderen Tiere übernehmen möchte, kann sich unter 05725 708730 oder info@wildtierstation.de an die Stationsmitarbeiter wenden.

Oktober 2009
Seltener Gast - Zwergdommel zur Rehabilitation!

Ein Exemplar der in Deutschland sehr selten gewordenen Zwergdommel wurde im Mai in der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Gießen behandelt. Eine komplizierte Fraktur im rechten Flügel wurde dort operiert und ist gut verheilt. Ende September wurde der, zu den Reihern zählende Vogel, zur Rehabilitation und hoffentlich anschließenden Auswilderung zu uns in die Wildtierstation gebracht.





Schwer zu entdecken! Zwergdommeln sind in ihrem Lebensraum dem Schilfgürtel von Gewässern echte Tarnkünstler.

März 2009
Steinkauzpärchen in der Wildtierstation eingetroffen

Ab sofort beteiligt sich die Wildtierstation an dem Wiederansiedlungs-
programm für Steinkäuze im nördlichen Harzvorland. Eckhard Kartheuser vom Tierpark Hexentanzplatz in Thale hat eigens ein Nachzuchtpärchen der gefährdeten Eulenart in die Wildtierstation gebracht und freut sich, mit der Wildtierstation einen weiteren Partner für das von ihm koordinierte Wiederansiedlungsprojekt gefunden zu haben.

Der Steinkauz bevorzugt offenes, spärlich bewaldetes Gelände wie Steinbrüche, Kopfweidenbestände sowie Gärten mit altem Baumbestand. Er benötigt ein reichhaltiges Angebot an Bruthöhlen, Tagesverstecken und Sitzwarten. Da natürliche Baum- oder Felshöhlen nicht ausreichend zur Verfügung stehen, werden ihm heute zunehmend künstliche Niströhren angeboten.

„Wir hoffen, dass das Paar schon dieses Jahr Nachwuchs bekommt, der dann im Harzvorland ausgewildert werden kann, wo der Steinkauz fast ausgestorben war.“, erläutert Stationsleiter Florian Brandes.

Steinkauz
Die kleine Eulenart hat nur eine Körperlänge von 23 cm.


Februar 2009
Festgefrorener Dachs aus dem Mittellandkanal gerettet
Grimbart erholt sich in der Wildtierstation 


„Der Kühne sucht die Gefahr auf und erfreut sich mit ihr“ riet einst Grimbart, der Dachs, seinem Onkel Reineke, als dessen einziger Fürsprecher vor dem königlichen Tribunal. Von Goethes Epos über den listigen Fuchs zweifelsohne in Unkenntnis, nichts desto trotz vom Ratschlag seines literarischen Abbildes inspiriert fand der neueste Pflegling der Wildtierstation seinen Weg zu uns.

Am vergangenen Sonntag befreite die Feuerwehr Niedernwöhren einen europäischen Dachs (Meles meles) aus einer prekären Lage: Beim Versuch, den von einer dünnen Eisschicht bedeckten Mittellandkanal zu überqueren hatte der Dachs wortwörtlich den Boden unter den Füßen verloren und war nicht mehr in der Lage, den Kanal über die Spundwand zu verlassen. Wie lange das Tier mit dem eisigen Gewässer kämpfte ist unklar, beim Eintreffen der Rettungskräfte war es allerdings mit dem Hinterleib im wieder zufrierenden Gewässer eingeschlossen. Unterkühlt und sichtlich erschöpft wurde der Dachs in die Wildtierstation gebracht. Im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung stellte sich heraus, dass durch die andauernden Versuche dem Mittellandkanal zu entkommen seine Krallen an beiden Hinterläufen vollständig abgeschliffen waren, weshalb er aus eigener Kraft seiner Falle nicht mehr entkommen wäre. Schon nach einer Nacht der Erholung in seinem warmen und vor allem trockenen Übergangsquartier besserte sich sein Gesundheitszustand deutlich.

Die Tage bis zu seiner hoffentlich baldigen Entlassung in die Freiheit verbringt der Dachs wie auch in freier Wildbahn überwiegend schlafend. „Die Nächte vertreibt er sich in der Wildtierstation mit der Umgestaltung seiner Unterkunft“, berichtet Mitarbeiter Dennis Kasischke schmunzelnd, „ein Ausgleich für die ausbleibende Nahrungssuche und die Erweiterung seines angestammten Baus.“ Dachse bewohnen ihre Bauten in Familienverbänden über lange Zeiträume. Jede Generation dehnt ihn weiter aus und fügt weitere Wohnkammern hinzu. In Einzelfällen konnte über ein Jahrhundert aktive Nutzung und Instandhaltung nachgewiesen werden. Darum ist eine baldige Wiederauswilderung des Pfleglings in seinem Revier vorgesehen.

Dachs
Den Tag verbringt der Dachs überwiegend schlafend.


Januar 2009
Ausgesetztes Affenkind in der Wildtierstation aufgenommen

Unbekannte haben im Januar eine Grüne Meerkatze (Chlorocebus aethiops) in einem Karton vor einem Tierpark im Landkreis Aurich ausgesetzt. Die Herkunft des erst wenige Monate alten Jungtieres ist völlig unklar. Da der Affe aufgrund von Platzproblemen und der geltenden Artenschutzbestimmungen nicht längere Zeit in dem Tierpark bleiben konnte, wurde die Wildtierstation von der Unteren Naturschutzbehörde um Hilfe gebeten. Mitarbeiter der Wildtierstation holten die Meerkatze ab und nahmen sie für das Land Niedersachsen in Pflege.

Affenkind in Narkose
Nach der Entfernung des entzündeten Schneidezahns wird das narkotisierte Affenkind in einem Quarantäne-Raum untergebracht.


Wie Stationsleiter Dr. Florian Brandes bei der Eingangsuntersuchung feststellen konnte, befindet sich das Tier in einem guten Zustand. Nur ein entzündeter Schneidezahn musste gezogen werden. Obwohl sich die Meerkatze in der Wildtierstation offensichtlich wohl fühlt, wird sie nicht lange dort bleiben. Wenn die notwendigen medizinischen Untersuchungen abgeschlossen sind, wird sie in den Zoologischen Garten Magdeburg umziehen, wo sie Gesellschaft durch Artgenossen findet. Hilfreich bei der schnellen Weitervermittlung waren die guten Kontakte, die die Wildtierstation zu zoologischen Einrichtungen in ganz Deutschland pflegt. Die Einzelhaltung von Affen ist grundsätzlich schlecht für die geselligen Tiere und deswegen sind die Mitarbeiter der Wildtierstation froh, diesen netten Gast so bald wieder abgeben zu können.


Grüne Meerkatze


Januar 2009
Erfolgreiche Uhu-Auswilderung

Nach kurzer Pflege in der Wildtierstation konnte vor wenigen Tagen ein Uhu wieder in die Freiheit entlassen werden. Das Tier hatte sich auf einem Sportplatz im Kreis Herford in dem Netz eines Fußballtores verfangen. Spaziergänger befreiten das Tier und brachten es zunächst in eine Tierklinik. Von dort wurde es zur weiteren Pflege in die Wildtierstation gebracht. Hier stehen geeignete Volieren zur Verfügung, um dieser größten Eulenart ausreichend Platz für ihr Flugtraining anzubieten. Da der Uhu keinerlei Auffälligkeiten in seinem Flugverhalten zeigte, wurde er nach einigen Tagen „Vollpension“ wieder an seinen Heimatort zurückgebracht und konnte dort mit kräftigen Flügelschlägen in die Freiheit starten.

Uhu

Vor der Auswilderung wird der Uhu mit einem Ring der Vogelwarte Helgoland versehen.


November 2008
"Einen schöneren Lohn gibt es nicht"
Viel Aufwand für Auswilderung von Greifvögeln


Die Mitarbeiter der Wildtierstation sind nach einer arbeitsreichen Hochsaison wieder zu „normalen“ Arbeitszeiten zurückgekehrt.
Stationsleiter Dr. Florian Brandes und Tierpfleger Jürgen Müller nutzen die Zeit, sich intensiv den Pfleglingen zu widmen, die bislang noch nicht ausgewildert werden konnten. Besonders aufwändig ist die Rehabilitation von Greifvögeln. Dies geschieht in der Wildtierstation seit mehreren Jahren auch mit Hilfe von falknerischen Methoden, da manche Greifvögel auch in großen Volieren ihre Flugmuskulatur nicht ausreichend trainieren können. „Die Kondition eines Greifvogels verhält sich wie die eines Hochleistungssportlers. Muss der Vogel länger als drei Wochen mit einem Verband pausieren, bauen Muskulatur und Kondition stark ab.“, erklärt Florian Brandes.

Auswilderung eines Baumfalken


Derzeit gehen die Mitarbeiter der Wildtierstation täglich mit einem Baumfalken und einem Wanderfalken in die Feldmark, um sie im Freiflug zu trainieren. Mehr als hundert Stunden Arbeit werden in manche Vögel investiert. Bei seltenen Arten wie Baum- und Wanderfalken zählt jeder Auswilderungserfolg.

„Die Trennung von dem Vogel fällt nicht schwer, wenn ich sicher bin, dass der Falke sich in freier Wildbahn wieder behaupten kann. Einen schöneren Lohn gibt es nicht.“, sagt Jürgen Müller.


Baumfalke


August 2008
Keine Brut - trotzdem Jungstörche auf dem Dach...?

Seit mehreren Jahren befindet sich auf dem Hallendach der Wildtierstation eine künstliche Nisthilfe. Leider hat sich bislang kein Storchenpaar bereit gefunden, diesen bequemen Nistplatz für sein Brutgeschäft auszuwählen. Und trotzdem sind momentan zeitweise gleich vier Jungstörche in diesem Horst zu beobachten. Wie kommt das?

Störche auf dem Dach


Jedes Jahr werden Jungstörche, die aus dem Horst gefallen sind oder nach dem Ausfliegen entkräftet aufgegriffen wurden, zur Pflege in die Wildtierstation gebracht. In den vergangenen Wochen waren es gleich vier Stück, die noch ganz klein oder schon fast flügge aufgenommen wurden. Inzwischen haben sich alle zu kräftigen und flugfähigen Jungstörchen entwickelt, die sich jetzt frei auf dem Gelände der Wildtierstation bewegen dürfen und hier noch gefüttert werden, bis sie gegen Ende August den Zug in den Süden antreten.


Weißstorch

Während ihrer Flugübungen ist der Horst auf dem Dach ein beliebter Landeplatz und auch für die Nachtruhe wird dieser vor Füchsen sichere Ort gern aufgesucht. So erfüllt der künstliche Nistplatz doch noch seinen Zweck und beherbergt für einige Wochen im Jahr die Gäste, für die er errichtet wurde.

Das einzige „Sorgenkind“ ist ein erwachsener Storch aus dem Landkreis Cloppenburg. Er wurde mit einem schweren Flügelbruch eingeliefert. Der Flügel war nicht mehr zu retten und musste von Stationsleiter und Tierarzt Dr. Florian Brandes amputiert werden. So kann der nun flugunfähige Altstorch den Jungstörchen nicht mehr den Weg in den Süden weisen. Wenn seine Wunde verheilt ist, wird er an einen Zoo oder Wildpark vermittelt, wo er vielleicht einen Partner findet, mit dem er erfolgreich brüten und weiter zum Erhalt seiner Art beitragen kann.


Juli 2008
Agamen vor der Wildtierstation ausgesetzt

Zum Dienstbeginn fand ein Stationsmitarbeiter einen Karton mit der Aufschrift „Agamen“ vor dem Tor der Wildtierstation. Vorsichtig öffnete Stationsleiter und Tierarzt Dr. Florian Brandes den Karton und musste feststellen, dass Unbekannte ein Pärchen Siedleragamen (Agama agama) ausgesetzt hatten. „Die Tiere sind schlecht genährt und dem Männchen fehlt ein Stück des Schwanzes. Leider ist das nicht der erste Fall, in dem Tiere illegal vor der Wildtierstation ausgesetzt wurden.“, erklärt Dr. Brandes. Da dieses Verhalten einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt, werden solche Fälle grundsätzlich zur Anzeige gebracht.

Siedleragame

Die Mitarbeiter der Wildtierstation können sich zwei mögliche Gründe für solch ein Handeln vorstellen: Vielleicht war der Halter mit der artgerechten Pflege der Tiere einfach überfordert, da diese afrikanischen Echsen hohe Ansprüche an die Haltung im Terrarium stellen. Möglicherweise handelt es sich auch um Opfer der Ferienzeit. Immer wieder werden Tiere lästig, wenn die Versorgung während des anstehenden Urlaubs nicht gewährleistet ist.

Auf jeden Fall ist das Aussetzten von Tieren in höchstem Maße verantwortungslos und jeder der sich ein Tier anschafft, sollte sich vorher gut über dessen Bedürfnisse informieren und sich darüber Gedanken machen, ob eine dauerhafte Versorgung gewährleistet werden kann.


Juni/Juli 2008
Junguhu erfolgreich in seinen Geburtshorst zurückgebracht

Ein junger Uhu, der im Weserbergland an einer Straße sitzend aufgefunden wurde, ist nach wenigen Tagen Aufenthalt in der Wildtierstation in seinen Heimathorst zurückgelangt.

junger UhuFoto: Gunnar Jacobs

Der Vogel war wohl aus dem Horst gefallen und hatte sich dann hüpfend auf den Weg gemacht. Finder stellten den Kontakt zur Wildtierstation her, wo der Uhu zunächst Unterkunft fand. Anhand seiner Größe und des Gewichts von 700 Gramm wurde sein Alter von den Mitarbeitern auf ca. 10-14 Tage geschätzt. Der Jungvogel entwickelte sich prächtig und wuchs von Tag zu Tag. Dass die Aufzucht des Uhus in der Wildtierstation dann schon nach einigen Tagen wieder beendet wurde, hat einen sehr erfreulichen Grund. Der Kleine wurde nämlich in der Gegend von Stadtoldendorf schon von Uhu-Beobachter Gunnar Jacobs vermisst. Und so konnte eine Rückführung arrangiert werden, um den kleinen Uhu wieder zu seinen Eltern und Geschwistern in den Horst zu bringen. Jacobs holte den Vogel ab und machte sich mit ihm auf die Reise ins Weserbergland. Dort angekommen wartete auch schon der eigens organisierte Kranwagen, um den Jungvogel in den Horst, der an einer hohen Felswand liegt, zurückzusetzen. Der Uhu, der in der Wildtierstation ein Gewicht von etwa 1300 Gramm erreicht hatte, wächst nun mit seinen Geschwistern unter Artgenossen auf, wo er sich sicherlich sehr wohl fühlt. Für die Mitarbeiter der Wildtierstation ein schönes Beispiel für eine erfolgreiche Auswilderung.


KranwagenFoto: Gunnar Jacobs


Februar 2008
Noch ein Australier - der Kurzkopfgleitbeutler

Nach den vier Dingos wurde nun ein weiterer Australier in die Wildtierstation eingeliefert. Allerdings ein recht kleiner. Es handelt sich um einen Kurzkopfgleitbeutler – ein echtes Beuteltier. Das Tier wurde im Garten eines Wohnhauses gefunden. Wahrscheinlich ist es einem Privathalter entkommen.

Kurzkopfgleitbeutler haben ein großes Verbreitungsgebiet, das sich entlang Australiens Nord- und Ostküste über Neuguinea bis zum Bismarck-Archipel im Südwestpazifik erstreckt. Namensgebend für die Art sind die Flughäute, die entlang der Flanken zwischen Vorder- und Hinterbeinen gespannt werden können. Sie ermöglichen den Tieren Gleitflüge von bis zu 45 Metern. Häufig wird auch die englische Bezeichnung Sugar Glider („Zuckergleiter“) verwendet. Diese rührt daher, dass Gleitbeutler die Rinde von Akazien und Eukalyptusbäumen annagen und die austretenden, zuckerhaltigen Säfte auflecken. Ansonsten fressen die Tiere Insekten, süße Früchte und auch mal den Inhalt eines Vogelnests. Die riesigen Augen verraten die Nachtaktivität der kleinen Beutler.

Kurzkopfgleitbeutler

Beuteltiere kommen extrem unterentwickelt zur Welt. Das Geburtsgewicht eines Sugar Gliders liegt bei 0,2 Gramm. Gewöhnlich werden zwei Junge geboren. Jedes Jungtier hat sein eigenes „Zimmer“: Gleitbeutler sind die einzigen Beuteltiere, bei denen der Beutel in zwei gesonderte Kammern aufgeteilt ist.

Trotz ihrer interessanten Biologie und ihres niedlichen Äußeren eignen sich Kurzkopfgleitbeutler nur sehr eingeschränkt zur Haltung in der Wohnung. Sie haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang, leben in Gruppen und markieren ihre Voliere (sowie das gesamte Umfeld) mit Kot und Urin. Die männlichen Tiere verbreiten einen strengen Moschusgeruch.


Februar 2008
Dingos - Australiens wilde Hunde in der Wildtierstation

Einst wurden die australischen Dingos mit allen Mitteln als Schafdiebe verfolgt. Die Bewohner Australiens errichteten sogar einen fast 10.000 km langen Zaun quer durch den Kontinent, um die Dingos Westaustraliens von den Schafen Ostaustraliens fern zu halten.

Vier dieser wilden Hunde leben zurzeit in der Wildtierstation. Die Rüden kamen Anfang 2007 bei einem Privathalter zur Welt. Wegen schlechter Haltung wurden sie von den Behörden beschlagnahmt und gelangten in die niederländische Auffangstation Stichting AAP. Dort stand allerdings nur ein Zwinger zur Verfügung. Um Smokey, Bandit, Tummy und Bulletje mehr Platz zu bieten, siedelten sie nun in ein 400 m2 großes Gehege der Wildtierstation um. Ausreichend Platz zur Bewegung brauchen die vier Brüder auch: Alle leiden an der bei großen Hunden sehr verbreiteten Hüftgelenksdysplasie (HD). Die Erkrankung macht die Gabe von Spezial-Futter sowie die regelmäßige Behandlung mit Schmerzmitteln notwendig.

dingos

Australien ist der Kontinent der Beuteltiere. Andere Säuger, die nicht gerade fliegen (Fledermäuse) oder Meere durchschwimmen (Robben) können, hatten immer Probleme dorthin zu gelangen. Hundeartige gab es dort nicht; sie wurden vom heute ausgestorbenen Beutelwolf ersetzt. Erst die Aborigines erhielten vor etwa 3.500 Jahren von asiatischen Händlern urtümliche Haushunde. Einige dieser Hunde verwilderten wieder und überlebten bis in die Gegenwart – die Dingos. Die Europäer mochten die wilden Hunde nicht sonderlich. Bevor ihre Rolle bei der Bekämpfung der eingeschleppten Kaninchen erkannt wurde, verfolgte man sie als Schafdiebe mit allen Mitteln.


Oktober 2007
Schläfrige Nachtgeister
Erfolgreiche Aufzucht von Siebenschläfern

Einer der regelmäßigen Herbstgäste in der Wildtierstation ist der Siebenschläfer. Obwohl immer wieder Bestandsrückgänge und eine Bedrohung vermutet werden, scheint er in der Umgebung des Steinhuder Meeres noch recht zahlreich vorzukommen. Die Nähe zum Menschen scheuen diese Tiere nicht – ganz im Gegenteil. Immer wieder bitten Anrufer in der Wildtierstation um Rat, wenn sie in Haus, Garage oder Schuppen verwaiste Jungtiere gefunden haben. Die grundsätzliche Regel, erst abzuwarten, ob die Mutter wirklich nicht mehr in der Nähe ist, gilt natürlich auch in diesem Fall. Wie die meisten heimischen Wildtiere stehen Siebenschläfer unter gesetzlichem Schutz und dürfen weder gefangen, noch entfernt werden, wenn sie nicht hilfsbedürftig sind.

In diesem Sommer gelangten insgesamt sieben der kleinen Nager in die Obhut der Wildtierstation und wurden von den Mitarbeitern mühsam von Hand aufgezogen. Vor wenigen Tagen konnten die ausgewachsenen Jungtiere in eine Außenvoliere umziehen, wo sie sich an Wind und Wetter gewöhnen und auf den Winterschlaf vorbereiten können. Im kommenden Frühjahr werden die Siebenschläfer dann ausgewildert.

Siebenschläfer

Siebenschläfer zählen zur Nagetierfamilie der Bilche, zu der auch die Haselmaus, der Garten- und der Baumschläfer gehören. Alle Arten sind nachtaktiv und nehmen einen unterschiedlich hohen Anteil von Nüssen, Sämereien, Früchten und Insekten zu sich. Ihren Namen tragen Siebenschläfer ganz zu recht. Von Oktober bis April (also sieben Monate lang) halten sie einen Winterschlaf. Ihr englischer Name Fat Dormouse („Fetter Bilch“) weist dagegen eher auf die Wintervorbereitung hin.

Oktober 2007
Beschlagnahmte Steinadler in der Wildtierstation
Süddeutsche Behörden finden Hilfe in Sachsenhagen

Zwei behördlich beschlagnahmte Steinadler aus Süddeutschland haben zunächst in der Wildtierstation ein neues Zuhause gefunden. Mitarbeiter des Ordnungsamtes konfiszierten die Tiere aus illegaler, nicht artgerechter Haltung. Doch die Suche nach einer geeigneten Unterbringung für diese mächtigen Greifvögel gestaltete sich schwierig. So war man froh, als der Kontakt zur Wildtierstation zustande kam. Stationsleiter Dr. Florian Brandes war in der Lage, kurzfristig eine geeignete Voliere zur Verfügung zu stellen, in der die Adler sich nun auf einer Fläche von 350 m2 bewegen können.

steinadler

Der Steinadler, dessen Größe bei uns nur vom Seeadler übertroffen wird, verfügt über ein riesiges Verbreitungsgebiet in Asien, Europa, Nordamerika und Nordafrika. Heftige Verfolgung und die Zerstörung geeigneter Lebensräume führten vielerorts zu einem Zusammenbruch der Bestände. In Deutschland gibt es lediglich in den bayrischen Alpen einen kleinen Restbestand.

Da die beiden beschlagnahmten Adler eine lange Zeit in schlechter Haltung hinter sich haben und auch die Herkunft nicht geklärt werden kann, kommt eine Auswilderung für diese Tiere nicht mehr in Betracht. Die Mitarbeiter der Wildtierstation suchen nun nach einer geeigneten Unterbringung in einem Zoo oder Tierpark.


Steinadler


September 2007
Hochseevogel landet in Wildtierstation
Geschwächter Basstölpel wird mit Meeresfischen aufgepäppelt

Gelegentlich werden Hochseevögel von Stürmen ins Binnenland verweht. So muss es auch dem Basstölpel ergangen sein, der von Spaziergängern im Landkreis Diepholz aufgegriffen und in die Wildtierstation gebracht wurde. Der Jungvogel war völlig entkräftet. Kein Wunder, denn Tölpel jagen in spektakulären Sturzflügen Meeresfische, die im Landesinneren nur schwerlich zu finden sind.

Der Bestand des Basstölpels ist hierzulande auf Helgoland beschränkt. Auf der einzigen deutschen Hochseeinsel brütet seit etwa 20 Jahren eine stetig steigende Zahl dieser imposanten Seevögel. In anderen Teilen des Nordatlantiks ist die Art weiter verbreitet und bildet Kolonien mit vielen tausend Mitgliedern.

Inzwischen wurde der Basstölpel an die befreundete Seehundstation Norddeich abgegeben. Dort trifft der Vogel nicht nur auf Artgenossen, sondern kann auch wesentlich besser mit ausreichenden Mengen Meeresfisch versorgt werden.

Basstölpel
 

September 2007
Besonderer Gast:
Wildkater "Sabu" in der Artenschutzstation

Die Mitarbeiter eines Kasseler Tierheims hatten schon viele verwaiste Katzen aufgezogen. Aber dieses etwa sechs Wochen alte Jungtier entsprach nicht dem Durchschnitt: Der Schwanz wirkte etwas kurz, während das ganze Tier insgesamt zu groß für sein Alter war.

Die Finderin, eine Biologin, hatte die kleine Katze im nordhessischen Reinhardswald 800 Meter von der nächsten Straße entfernt gefunden. So kam der Verdacht auf, es könnte sich um eine Europäische Wildkatze handeln - eine Art, die im Reinhardswald tatsächlich noch vorkommt. Anders als bei den meisten anderen Arten ist die Wurfzeit dieses Kleinraubtiers nicht auf das Frühjahr beschränkt. So konnte die Wildtierstation im September die erste Wildkatze in ihrer Geschichte aufnehmen.

Äußerlich zeigt der junge Kater alle Merkmale einer Wildkatze: Er weist eine gräulich-braune Grundfärbung auf, besitzt einen geringelten Schwanz mit deutlicher schwarzer Endbinde, die Flanken sind verwaschen gezeichnet, über seinen Rücken verläuft ein Aalstrich, die Längsstreifung des Nackens endet an den Schultern und seine Schnurrhaare sind weiß. Letzte Gewissheit, dass sich keine Hauskatze in seiner Ahnenreihe findet, kann allerdings nur eine genetische Untersuchung liefern. Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) ist nicht mit einer verwilderten Hauskatze zu verwechseln und stellt auch nicht die Stammform der Hauskatze dar. In den deutschen Mittelgebirgen ist dieses scheue Kleinraubtier trotz lange andauernder Schutzbemühungen vom Aussterben bedroht.

Die Mitarbeiter der Wildtierstation hoffen, dass Kater "Sabu" einmal im Rahmen eines Zucht- oder Auswilderungsprogramms zum Erhalt seiner Art beitragen kann.

kleine Wildkatze
 

März 2007
Schwein gehabt!
Frischling "Armin" erreicht das rettende Ufer

Ein kleiner Frischling, erst eine Woche alt, hat vermutlich schwimmend den Mittellandkanal überquert. Am rettenden Ufer angekommen, verfing er sich jedoch in dem dornigen Brombeergestrüpp. Zum Glück wurde er von aufmerksamen Spaziergängern gefunden, die sofort die Mitarbeiter der Wildtierstation informierten. Dort konnte Frischling „Armin“ sich erst einmal unter der Rotlichtlampe aufwärmen. Unterdessen hat er sich gut erholt und fordert bei den Mitarbeitern mit lautem Quieken seine Milchrationen ein.

Armin
Gierig trinkt der kleine Frischling seine Ferkelaufzucht-Milch.

 

August 2006
Wer ist Anton?

Der weitaus größte Teil der in der Wildtierstation gepflegten Tiere wird eingeliefert. Es gibt aber auch einige, die kommen von selbst.

Anton kam und siegte! Im Nu eroberte er die Herzen der kleinen und der großen Besucher des Sommerfestes in der Wildtierstation.

Als wichtiger Beitrag zum Gelingen des Festes hatte die in der Station gepflegte Guanako-Stute gerade rechtzeitig ein Hengstfohlen geboren, eben den Anton.

Mit kleinem rundem Kopf und großen kugelrunden Augen stakst er auf langen, noch etwas unsicheren Beinen durch das Außengehege.

Keiner der Sommerfestbesucher, die an den Führungen teilnahmen - und das waren immerhin über 1000 Personen - konnte sich Antons Charme entziehen.

Anton
Arglos und neugierig betrachtete Anton die Besucher am Zaun. Seine Mutter war von dieser Unerschrockenheit weniger angetan. Schützend stellte sie sich immer wieder zwischen ihren Sohn und die Besucher.
(Foto: Medienbüro DENKSTUBE)
 

August 2006
35 Fledermäuse aus dem Regenwaldhaus finden Quartier in der Wildtierstation

Die Fledermäuse des ehemaligen Regenwaldhauses in Hannover haben zunächst in der Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen ein neues Zuhause gefunden. Die Fledermausbeauftragte der Region Hannover, Elke Mühlbach, ist froh, dass sie nach langer Suche und einigen Rückschlägen eine gute Unterbringung für die Tiere gefunden hat. Das war nicht einfach. Die 35 Spitzmaus-Langzungenfledermäuse brauchen Temperaturen über 21°C, ihre täglichen Nektar-Pollen-Rationen und natürlich Platz für ihre Flugübungen. All das kann die Wildtierstation bieten. Stationsleiter Dr. Florian Brandes und sein Team konnten schnell und unkompliziert einen geeigneten Raum einrichten und die Pflege der Tiere sicherstellen. Damit hat die Wildtierstation weitere Exoten in ihre Reihe der besonderen Pflegefälle aufgenommen.

Flugübungen


Schlafkammer
Elke Mühlbach und Dr. Florian Brandes inspizieren die Schlafkammer.

Schlafkammer innen
Die Spitzmaus-Langzungenfledermäuse in ihrer Schlafkammer.

Juli 2006
Zuwanderer erreicht Minden schwimmend

Marderhund

Völlig durchnässt und erschöpft wurde ein junger Marderhund von Schiffern aus dem Mittellandkanal gezogen. „Er war regelrecht bewusstlos“ berichtet Regine Möhlmann vom Tierheim Minden, wo der Welpe zunächst eingeliefert wurde. Dort wurde er getrocknet und wiederbelebt bis er transportfähig war und in die Wildtierstation gebracht werden konnte. Hier wird der etwa 10 Wochen alte Welpe derzeit aufgepäppelt.

Der in Ostasien beheimatete Marderhund wurde zur Bereicherung der Pelztierfauna in den westlichen Gebieten der damaligen Sowjetunion ausgesetzt. Von dort begann er seine selbstständige Ausbreitung nach Westen. In den neuen Bundesländern ist der „Enok“, wie er in seiner ursprünglichen Heimat auch genannt wird, schon flächendeckend verbreitet. Bei uns in den alten Bundesländern ist er noch selten anzutreffen. Da er außerdem nachtaktiv und sehr heimlich ist, wird er kaum beobachtet und ist vielen Menschen noch nahezu unbekannt.

Ein großer Jäger ist dieser Wildhund nicht. Er ernährt sich überwiegend von Kleintieren und Aas, aber auch von Früchten. Als Lebensraum schätzt er deckungsreiche Biotope in der Nähe von Gewässern.

Juni 2006
Wohin fliegt Geier "Gonzo"? - Gänsegeier wurde mit Satellitensender ausgewildert

Knapp drei Wochen befand sich Gänsegeier „Gonzo“ bei uns in der Wildtierstation. Jetzt fliegt er wieder quer durch Deutschland. Ob er mit der wiedergewonnenen Freiheit zurechtkommt und wohin ihn sein Weg führt, soll ein Satellitensender zeigen, den er jetzt auf dem Rücken trägt.

Etwas überrascht über die enorme Größe des Vogels war unsere Mitarbeiterin Anja Junghanns schon, als sie den Geier auf einem Hof bei Hildesheim abholte. Bereits seit mehreren Tagen hatte man ihn dort in der näheren Umgebung beobachtet und schließlich auf einem Rübenacker eingefangen. Der Grund für seinen geschwächten Zustand war anscheinend das anhaltende schlechte Wetter. Denn ohne entsprechende Thermik ist ein so schwerer Vogel (bis zu 9 kg) nicht in der Lage, hoch in die Luft zu steigen und über große Entfernungen tote Tiere zu suchen, von denen er sich ernährt.

Gänsegeier

Bei der Eingangsuntersuchung durch den Stationsleiter und Tierarzt Dr. Florian Brandes konnte festgestellt werden, dass der Gänsegeier mit einer Spannweite von 2,50 m zwar schwach und abgemagert, aber ansonsten in einem guten Zustand war. Zunächst gingen die Mitarbeiter der Wildtierstation von einem entflogenen Zoovogel aus, denn schon seit dem Mittelalter ist der Gänsegeier als Brutvogel in Deutschland ausgestorben. Lediglich im Alpenraum kann man gelegentlich Durchzügler beobachten, nicht aber bis Norddeutschland. Hinweise von Ornithologen über mehrere Beobachtungen von Gänsegeiern, die seit Mitte Mai einzeln oder in Gruppen bis nach Thüringen und Niedersachsen eingewandert sind, bestärkten den Verdacht, dass es sich um einen Wildvogel handelt. Der Vogel hatte weder einen Ring noch einen Mikrochip, welche in Zoos zur Kennzeichnung von Tieren verwendet werden und verhielt sich wesentlich scheuer und nervöser als Zoovögel dies normalerweise tun.

Also wurde in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Vogelschutzwarte Niedersachsen beschlossen, den Geier wieder in die wohlverdiente Freiheit zu entlassen. Um diesen seltenen Vogel nicht unkontrolliert seinem Schicksal zu überlassen, nahm Dr. Brandes Kontakt zu Dr. Oliver Krone vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin auf, der ein Projekt zur Besenderung von Seeadlern leitet und entsprechende Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Spontan erklärte sich dieser bereit, an der kontrollierten Auswilderung mit Hilfe eines Satellitensenders mitzuarbeiten. Dieser Sender, dessen Bereitstellung mit der großzügigen finanziellen Unterstützung der Aktion Tier e.V., dem Projektpartner der Wildtier- und Artenschutzstation, ermöglicht wurde, versetzt uns nun in die Lage, den Wanderweg des Gänsegeiers zu überwachen und das Tier im Notfall auch wiederzufinden und einzufangen.

Es wird vermutet, dass die beobachteten Gänsegeier aus Südwesteuropa kommen - möglicherweise sogar aus Spanien, wo es die größten europäischen Geiervorkommen gibt. Diese sind von akutem Nahrungsmangel bedroht, denn aufgrund einer EU-Hygienevorschrift dürfen seit diesem Jahr verstorbene landwirtschaftliche Nutztiere nicht mehr offen liegen gelassen und durch die Geier entsorgt werden wie es bislang üblich war. Die plötzlich fehlende Nahrungsgrundlage könnte ganze Gruppen von Geiern veranlasst haben „auszuwandern“ und neue Gebiete zu erkunden.


Sender
Der Sender wiegt etwa 150 g

Unterdessen wurde der Geier von Dr. Krone besendert und in einer gemeinschaftlichen Aktion der Wildtier- und Artenschutzstation, Staatlichen Vogelschutzwarte und dem zuständigen Forstamt in einem geeigneten Gelände in die Freiheit entlassen. „Gonzo“ zeigte sofort, dass ihm die Pflege bei uns in der Wildtierstation gut getan hat und flog mehrere hundert Meter weit auf eine hohe Kiefer, um von dort erst einmal die Umgebung zu betrachten. Gespannt warten nun alle Mitarbeiter der beteiligten Institute auf die Daten des Senders und darauf, wie der Gänsegeier sich im Norddeutschen Raum verhalten wird.

Sender auf dem Rücken
Der Gänsegeier auf seinem Flug in die Freiheit (deutlich sieht man den Sender auf dem Rücken des Tieres)

Februar 2006
Schwergewichtige Exoten beschlagnahmt

Als erste exotische Neuzugänge in diesem Jahr wurden gleich zwei echte Schwergewichte in der Wildtierstation aufgenommen. Es handelt sich um zwei Seychellen-Riesenschildkröten, die von den Behörden beschlagnahmt wurden. Nicht viele Auffangstationen sind in der Lage, bei der Aufnahme so großer Reptilien behilflich sein zu können. Hier leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Artenschutzgesetzgebung. Denn wenn sich keine Unterbringung für beschlagnahmte Tiere findet, sind die zuständigen Behörden im Vollzugsnotstand und oft nicht in der Lage, die Gesetze wie gewollt anzuwenden.

Früher auf den ganzen Seychellen verbreitet, sind diese Riesen unter den Schildkröten, die über einen Meter lang und 250 kg schwer werden können, heute nur noch auf dem Aldabra-Archipel im Indischen Ozean in Freiheit anzutreffen. Deshalb gibt es für die selten gewordenen Tiere ein Erhaltungszuchtprogramm der europäischen Zoos. Diesem werden auch die beiden Tiere aus der Wildtierstation zugeführt. Sie werden demnächst in den Zoo Hannover übersiedeln, der schon viel Erfahrung in der Pflege von Elefanten-Schildkröten hat, wie sie gemäß ihrem lateinischen Namen (Dipsochelys elephantina) auch genannt werden. Bis die beiden Tiere zur Zucht eingesetzt werden können, wird es allerdings noch ein paar Jahre dauern. Mit ihren 25 kg und 35 kg Körpergewicht müssen die beiden noch einiges fressen, bis sie die Geschlechtsreife erreichen.

Seychellenriesenschildkröte
Stationsleiter Dr. Florian Brandes bringt die Seychellen-Riesenschildkröten in die Quarantäneräume der Wildtierstation.

Seychellenriesenschildkröten
Die beiden Riesenschildkröten haben erst etwa ein Zehntel ihres möglichen Gewichts erreicht. (Foto: Medienbüro DENKSTUBE)

 

Februar 2006
Vogel Strauß und nackter Emu ziehen in der Wildtierstation ein

nackter Emu
Bei den niedrigen Temperaturen benötigt der nackte Emu ein warmes Plätzchen unter einer Rotlichtlampe.

Offenbar völlig überfordert mit der Haltung dieser Laufvögel war der Besitzer eines Straußes und eines Emus, die jetzt vom Veterinäramt beschlagnahmt und der Wildtierstation zur Pflege und weiteren Vermittlung übergeben wurden. Den langen Transport von Rheinland-Pfalz nach Niedersachsen musste man in Kauf nehmen, weil es in Deutschland wenige Auffangstationen gibt, die genug Platz und Stallungen für die Aufnahme solch großer Vögel haben.

Unsere nasskalten Winter mögen diese Vögel nicht besonders. In ihrer afrikanischen (Strauß) bzw. australischen (Emu) Heimat ist es das ganze Jahr über warm und trocken. Die Haltung in Privathand ist dementsprechend nicht so einfach, wie mancher es sich vorstellt und sollte zoologischen Gärten überlassen bleiben.

Strauß und Emu
Strauß und Emu können erst vermittelt werden, wenn die Federn nachgewachsen sind. (Foto: Medienbüro DENKSTUBE)

So sieht man auch den stark gerupften Neuankömmlingen in der Wildtierstation die Zeichen schlechter Haltung an. Besonders der Emu ist völlig kahl und bei den niedrigen Außentemperaturen auf einen schützenden Stall angewiesen. Ohne sein isolierendes Federkleid würde er draußen bald erfrieren. So muss auch die Vermittlung an einen Zoo warten, bis die Federn nachgewachsen sind, denn im derzeitigen Zustand ist der Vogel nicht vorzeigefähig.

 

Januar 2006
Abschied von "Karlchen"
Junger Rothirsch an das Wisentgehege Springe vermittelt

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben sich unsere Mitarbeiter von Rothirsch "Karlchen" verabschiedet. "Wir freuen uns sehr, dass Karlchen im Wisentgehege Springe eine neue Bleibe findet", sagt FÖJ-Teilnehmerin Anja Junghanns, "aber nach so langer Zeit der Pflege fällt der Abschied natürlich nicht leicht!"

Als das Hirschkalb im Juni 2005 von Findern in die Wildtierstation gebracht wurde, war es erst ein paar Tage alt. Gemeinsam mit einer Gruppe Rehkitze wurde es von den Mitarbeitern mühsam mit der Flasche aufgezogen. Doch im Gegensatz zu den anderen Pfleglingen entwickelte es keine natürliche Scheu vor den Menschen. Als die Rehkitze im Herbst erfolgreich ausgewildert wurden, blieb Karlchen zurück und bewegte sich seitdem frei auf dem 20 ha großen Gelände der Wildtierstation. Für Besuchergruppen war es eine besondere Attraktion, wenn der junge Hirsch sie bei Rundgängen begleitete und sich von den Kindern streicheln ließ.

"Karlchen" im Transporter
Florian Brandes lockt "Karlchen" mit Futter aus dem Transporter.

Eine Vermittlung des Tieres gestaltete sich jedoch schwierig, da ein zahmer Hirsch nicht in ein bestehendes Rudel integriert werden kann. Im Wisentgehege in Springe wird Karlchen sich das Gehege nun mit einer ebenfalls zahmen Hirschkuh, einem Sikahirsch und einem Reh teilen.

Erste Begegnung
Erste Begegnung der neuen Gefährten: Rothirsch "Karlchen" teilt sich das Gehege nun mit einer zahmen Hirschkuh


 

November 2005
Flugunfähiger Fischadler wird in der Wildtierstation gepflegt

Fischadler

Der Fischadler, den der Teichwirt Harald Pohl flugunfähig aus einem seiner Teiche geborgen hat, ist ihm seit Jahren bekannt. „Ich würde ihn auch gerne hier wieder freilassen, wenn er wieder fliegen kann!“ betont der Tierfreund aus dem Landkreis Hameln. Das wäre für die Population des Fischadlers in Niedersachsen auch enorm wichtig, denn obwohl bundesweit seit Jahren eine leichte Zunahme des Bestandes zu verzeichnen ist, gehört der Fischadler in Niedersachsen noch zu den vom Aussterben bedrohten Vogelarten.

Eine kurzfristige Auswilderung wird aber leider nicht möglich sein. Jürgen Müller, der in der Wildtierstation den Beruf des Zootierpflegers erlernt, hat den verletzten Vogel abgeholt und zur Röntgenuntersuchung in die Ziervogelklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover gebracht. Die Diagnose lautet Bruch des Schlüsselbeins und bedeutet einen längeren Aufenthalt und Rehabilitation in der Wildtierstation. In 300 m² großen Volieren und mit aus der Falknerei übernommenen Methoden kann hier gezielt die Flugfähigkeit trainiert werden, wenn der Bruch erst einmal verheilt ist. Genau zu diesem Zweck hat Stationsleiter Dr. Florian Brandes in diesem Jahr den Falknerschein gemacht.

Fischadler

Die Chancen, dass der Adler wieder wildbahntauglich wird, sind unter diesen Bedingungen am besten. Diesen Winter wird der hochspezialisierte Beutegreifer aber noch Unterkunft und - seine Lieblingsmahlzeit - Fisch bei uns in der Wildtierstation genießen können.

 

Juni 2005
Jedes Jahr werden 500.000 Wildtiere durch Mähmaschinen getötet!
Mitarbeiter der Wildtierstation versorgen 10 Rehkitze

In den Monaten Mai und Juni "setzen" die Ricken ihre Jungen ins hohe Gras. Die ein bis zwei weißgetupften Rehkitze werden in der Deckung abgelegt und drücken sich reglos an den Boden, um von Feinden nicht entdeckt zu werden. Die Ricke sucht die Jungtiere in den ersten Wochen nur kurz zum Säugen und Säubern auf. Dank der guten Tarnung durch ihr geflecktes Fell und dem Fehlen eines Eigengeruchs sind die Kitze sehr gut gegen ihre natürlichen Feinde geschützt. Doch diese Tarnung wird ihnen bei dem Einsatz von Mähmaschinen oft zum Verhängnis!

Rehkitze
In der Wildtierstation werden zurzeit 10 Rehkitze und ein junger Rothirsch versorgt.

Nach einer Schätzung des Deutschen Tierhilfswerk e.V. – Projektpartner der Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen - werden jedes Jahr 500.000 Wildtiere durch Kreiselmäher und Silagehäcksler getötet. Vor allem Rehkitze sind davon zahlenmäßig stark betroffen. Dabei können bereits einfache Methoden helfen, Mähverluste bei Wildtieren zu verhindern: Am Tag vor den Mahd können optische Signale wie Plastiktüten, Tuchfahnen, Blinklampen oder Vogelscheuchen rund um die Wiesen angebracht werden. Die Ricke bringt ihre Kitze dann in Sicherheit. Außerdem sollte ein Gelände nie von außen nach innen gemäht werden, weil den Wildtieren dadurch der Fluchtweg abgeschnitten wird.

Fütterung RehkitzeFütterung Rehkitze
Konni Weber, Auszubildende in der Wildtierstation, versorgt die Jungtiere.

Doch eine weitere Gefahr droht den Rehkitzen. Die Tatsache, dass sie von der Ricke über lange Zeiträume allein gelassen werden und reglos am Boden liegen, erweckt bei Spaziergängern häufig den Eindruck, dass ein gefundenes Rehkitz "hilflos" und "verlassen" ist. Dabei ist in den meisten Fällen das Muttertier in der Nähe und das Kitz wird von ihr versorgt. Immer wieder wird dann der Fehler begangen, die Jungtiere aus Mitleid mitzunehmen, um sie zu "retten". Doch damit beginnt für die meisten ein Leidensweg, der durch falsche Unterbringung und Fütterung zum Tode führt.

In der Wildtierstation werden derzeit 10 Rehkitze und ein junger Rothirsch versorgt. Für die Tiere, die zur tierärztlichen Behandlung und weiteren Versorgung in unserem Stationsbetrieb verbleiben, wird in Kürze ein neues Gehege mit einer Gesamtgröße von 1500 m2 fertiggestellt.

 

Juni 2005
Erfolgreiche Handaufzucht eines Mäusebussard
Wildtierstation praktiziert Auswilderung auf dem Kunsthorst

Als der verwaiste kleine Mäusebussard in die Wildtierstation eingeliefert wurde, war er noch ein Küken, ca. 20 Tage alt. Innerhalb von vier Wochen ist er nun auf eine stattliche Größe herangewachsen und zeigt schon das typische Bussard-Gefieder.

Doch allein mit der erfolgreichen Handaufzucht ist es nicht getan. Das Tierschutzgesetz sagt aus, dass es verboten ist, "ein aufgezogenes Tier einer wildlebenden Art in der freien Natur auszusetzen oder anzusiedeln, das nicht auf die zum überleben in dem vorgesehenen Lebensraum erforderliche artgemäße Nahrungsaufnahme vorbereitet und an das Klima angepasst ist."

Um den Bussard optimal auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten, nutzen unsere Mitarbeiter die Wildflugmethode und haben zu diesem Zweck einen Kunsthorst auf dem Gelände aufgestellt. Dort wird der Bussard mit Futter versorgt, das er schon selbständig, auf dem Horst stehend, zerkleinert. Von seiner erhöhten Position kann er seine Umgebung erleben und wichtige visuelle Eindrücke verarbeiten. Bei Wind schlägt er mit den Flügeln und trainiert auf diese Weise schon einmal seine Flugmuskulatur, bevor er in Kürze seine ersten kleinen Rundflüge starten wird.

Bei der Auswilderung nach der Wildflugmethode wird angestrebt, dass die Jungvögel mit zunehmendem Alter den Kunsthorst verlassen, jedoch zur Futteraufnahme zunächst noch zurückkehren. Innerhalb weniger Wochen werden die Tiere dann selbstständiger und lassen sich immer seltener blicken.

junger Mäusebussard
Der junge Mäusebussard, ca. 20 Tage alt, bei der Einlieferung.

Mäusebussard "Horst"
Von dem Kunsthorst aus beobachtet der junge Mäusebussard interessiert seine Umgebung.

 
 

September 2004
Seltene Eule in der Wildtierstation

Eine äußerst seltene Sumpfohreule ist seit wenigen Tagen Gast in der Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen. Gartenbesitzer fanden die völlig entkräftete, flugunfähige Eule auf ihrem Grundstück und baten die Mitarbeiter der Wildtierstation um Hilfe.

Sumpfohreule

Die Sumpfohreule hat ihren bevorzugten Lebensraum – wie der Name vermuten lässt – in Feuchtgebieten, Sümpfen und Mooren. Durch die fortschreitende Zerstörung der Feuchtgebiete ist die mitteleuropäische Population in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken. So gehört diese Eulenart heute zu den seltensten Brutvogelarten in Mitteleuropa. Die Sumpfohreule ähnelt der Waldohreule, hat aber nur sehr kurze Federohren. Auffällig ist außerdem die hellgelbe Farbe der Augeniris.

 
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