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Baumfällarbeiten gefährden Eichhörnchen-Nachwuchs

Junges Eichhörnchen in der Wildtierstation

04.06.2012 - aktion tier - menschen für tiere und die Wildtierstation warnen Bürger



Der Frühling ist da – wie schön! Überall werden eifrig Grünflächen und Gärten aufgeräumt, vielerorts werden Bäume beschnitten oder gefällt. „Eigentlich dürfen ab Anfang März Bäume nur noch mit Sondergenehmigung gefällt werden“, sagt Ursula Bauer von aktion tier- Berlin. Leider werden diese Genehmigungen jedoch sehr bereitwillig erteilt oder die geltenden Vorschriften schlichtweg ignoriert.


Dies hat fatale Folgen für unsere Eichhörnchen, die im Moment gerade ihre Jungen großziehen. „Die Eichhörnchenbabys, die ab Januar geboren werden, liegen zur Zeit noch hilflos in ihren Kobeln (Nestern), welche die Muttertiere in Astgabeln, an abstehenden Ästen oder in Baumhöhlen gebaut haben“, erklärt Dipl.- Biologin Ursula Bauer. Die Kleinen verbleiben nach der Geburt etwa 6 Wochen im Nest und werden dann von dem Muttertier in einen anderen, zwischenzeitlich gebauten Kobel gebracht.


Oft sind die Nester der Eichhörnchen sehr gut versteckt und fast unsichtbar. Man sollte daher bereits einige Tage vor der geplanten Fällung oder dem Baumschnitt die Umgebung und den Baum beobachten, um sicher zu gehen, dass sich kein Nest mit Jungen darin befindet. In der Regel zeigt die Eichhorn-Mutter bei direkter Störung sehr deutlich, dass sie ihr Nest schützen will, indem sie entweder den Baumstamm aufgeregt hoch und runterklettert oder in der direkten Umgebung und um den Baum herumläuft und mit lauten Geräuschen warnt. Durch den Stress und den plötzlichen Verlust der Niststätte ist das Muttertier in den meisten Fällen nicht in der Lage, innerhalb kürzester Zeit einen neuen Kobel zu bauen und die Jungen dorthin zu bringen.
Die dann häufig nach unüberlegt durchgeführten Fällarbeiten aufgefundenen Eichhörnchen-Waisenkinder müssen schließlich von Menschenhand aufgezogen werden. „Die ersten Eichhörnchen werden schon bei uns in Sachsenhagen von unseren fachkundigen Mitarbeitern aufgepäppelt. Laien sind mit der Betreuung der Babys schnell überfordert“, weiß Dr. Florian Brandes von der Wildtierstation Sachsenhagen. „Je jünger die Tiere sind, desto schwieriger und aussichtsloser gestaltet sich deren Aufzucht. Eichhörnchen gehören zu den gemäß Bundesnaturschutzgesetz streng bzw. besonders geschützten Tierarten.“
Es ist verboten, wildlebende Eichhörnchen mutwillig zu beunruhigen und ohne vernünftigen Grund ihre Lebensstätten zu beeinträchtigen oder zu zerstören. Daher die dringende Bitte an alle Gartenbesitzer sowie Gärtnerbetriebe um besondere Rücksichtnahme auf die Eichhörnchen. „Wer einen Kobel entdeckt, muss lediglich die Fäll- oder Schneidearbeiten um einige Woche verschieben, bis die Eichhörnchen-Mutter ihre Jungen weggebracht hat“, so der Stationstierarzt abschließend.


(Pressemitteilung vom 04.06.2012)


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