Sie sind hier: Home » Mai 2014 Aufregung um Hildesheimer Dom-Uhus

Aufregung um Dom-Uhus

Die neuen Bewohner im Westwerk des Hildesheimer Doms halten den Domhof ordentlich auf Trab: Erst hatten die Vögel alle mit ihrer bloßen Anwesenheit überrascht. Denn das in diesem Jahr klammheimlich Uhus in den Nistkasten auf 30 Metern Höhe eingezogen waren, hatte zuerst niemand mitbekommen. Als dann Mitte Mai die Webcam wieder aktiviert wurde, die normalerweise Bilder aus dem Nistkasten lieferte, war die Überraschung groß: Die vermeintlichen Turmfalken entpuppten sich als Uhus. Die Überraschung hatte den Uhus allerdings nur gelingen können, weil die Webcam aufgrund der Sanierung des Doms zeitweise ausgeschaltet war.
Kurz nach ihrer Entdeckung sorgten die Dom-Uhus für Aufregung: Eines der Jungtiere fand sich am Morgen des 16. Mai plötzlich auf dem Domhof wieder. Offenbar war es aus dem Nistkasten gestürzt. Bauarbeiter hatten den Vogel auf dem Domhof gefunden. Doch der Uhu hatte Glück im Unglück: Er überstand den Sturz, wenn auch mit ein paar Blessuren. Das Jungtier wurde vorübergehend im Wildgatter Hildesheim aufgenommen und betreut.

Am Freitag, 23. Mai, folgte dann das nächte Kapitel der Uhu-Geschichte: Ein weiteres Jungtier landete auf dem Domhof. Gefunden wurde es von einem Mitarbeiter des Kölner Architektenbüros Schilling, das den Umbau des Hildesheimer Doms verantwortet. Der Uhu hockte im Schatten eines großen Pappkartons. Offenbar war es aus der Zugangsluke zum Nistplatz gesprungen, der sich im Westwerk auf etwa 30 Meter Höhe befindet. Nach der Landung wanderte der Uhu dann ein Stück weit über den Domhof.
„Das ist nicht ungewöhnlich“, verrät Wilhelm Breuer, Geschäftsführer des Bundesverbands der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen. Die Uhus seien inzwischen in dem Alter, in dem die Jungtiere für gewöhnlich das Nest verlassen. Dabei müssen sie auch in der freien Wildbahn teilweise tiefe Sprünge auf sich nehmen. „Normalerweise landen sie dabei aber auf einem weicheren Boden als hier auf dem Domhof“, berichtet Breuer.

Der zweite Junguhu hat die harte Landung vollkommen unverletzt überstanden. Damit er von seinen Eltern weiter versorgt werden kann wurde eine ruhige Ecke der in der Großbaustelle abgezäunt, in der er sich ungestört aufhalten kann. Im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz wurde das Jungtier das sich in der Obhut des Wildgatters befand vom Leiter der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen Dr. Florian Brandes untersucht. Da dieser sich inzwischen in einem gesundheitlich einwandfreien Zustand befand, wurde er zu seinem Geschwistertier zurück auf die Baustelle gebracht, damit beide zusammen aufwachsen und selbstständig werden können. Beide Jungvögel wurden durch Dr. Brandes mit Ringen der Vogelwarte Helgoland versehen, damit man sie identifizieren und ihre Geschichte zurückverfolgen kann, sollten sie noch einmal in Menschenhand gelangen.
Mittlerweile hat auch der dritte Jungvogel den Sprung vom Turm gewagt und unverletzt überstanden. Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen hat die weitere Versorgung der Junguhus und Überwachung der Entwicklung bis zu deren Selbstständigkeit übernommen.