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Feldhamster - Tier des Jahres 2016 in der  Wildtierstation

Gleich drei Exemplare des hochbedrohten – und deswegen von der Schutzgemeinschaft deutsches Wild in diesem Jahr zum Tier des Jahres gekürten – Feldhamsters haben den Winter in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen verbracht.

Ein Feldhamster wurde bei Bauarbeiten in der Region Hannover, ein weiterer bei Erdarbeiten an einer Windkraftanlage im Landkreis Hildesheim unsanft aus dem Winterschlaf gerissen. Der Dritte Feldhamster wurde im Landkreis Hildesheim aus einem Fensterschacht gerettet. „Ein großer Zufall!“, berichtet Stationsleiter Dr. Florian Brandes, „nachdem wir in den letzten Jahren sehr selten Feldhamster aufgenommen haben, nun gleich drei in kürzester Zeit!“.

Nach Absprache mit den zuständigen Behörden haben die seltenen Nager den restlichen Winter in der Obhut der Wildtierstation verbracht. Nachdem die hübschen Nager den Winter gut überstanden haben erfolgte nun in Zusammenarbeit mit den zuständigen Naturschutzbehörden die Wiederauswilderung an den Fundorten.
Vorher stand noch ein kurzer Medizincheck an, bei dem allen Feldhamstern für wissenschaftliche Zwecke auch Haarproben entnommen wurden. „Dabei konnten wir auch feststellen, dass alle Hamster während der Pflege in der Wildtierstation an Gewicht zugelegt haben und mit guter Kondition wieder in die Natur entlassen werden können.“ freut sich Stationsleiter Brandes.

In Begleitung von Vertretern des Landkreis Hildesheim und unter fachlicher Anleitung von Dipl.-Biol. Tobias Wagner, der sich seit Jahren mit der Biologie des Feldhamsters befasst und die Niedersächsischen Populationen für den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz erfasst, wurden zwei Hamster nahe ihrer Fundorte im Landkreis Hildesheim ausgewildert. Der dritte Feldhamster wurde von Mitarbeitern der Region Hannover wieder freigelassen.

So können die Tiere in der jetzt einsetzenden Fortpflanzungszeit weiter zum Erhalt ihrer bei uns stark bedrohten Art beitragen.

Hintergrundinformation der SCHUTZGEMEINSCHAFT DEUTSCHES WILD
(http://www.sdwi.de/tiere/2016.htm, gekürzt)

Der heimische Feldhamster ist auffällig gefärbt und possierlich aussehend. Aufgrund seiner dämmerungs- und nachtaktiv und weil er in Mittel- und Westeuropa sehr selten geworden ist aber kaum mehr in freier Natur zu beobachten.

In der zoologischen Systematik zählt der Feldhamster zu der Ordnung der Nagetiere (Rodentia) in der Familie der Wühler (Microtidae). Mit einem durchschnittlichen Gewicht von 200 bis 500 g (Ausnahmen bis 900 g) ist der Feldhamster der größte heute noch existierende Vertreter der Unterfamilie der Hamster und erreicht eine Länge von bis zu 30 cm, wobei er einen unbehaarten, relativ kurzen Schwanz hat.

Alle Hamster sind gute Baumeister, wobei sich ihr Geschick auf eine intensive Grabtätigkeit fokussiert. Beim Feldhamster bestehen die "Standard-Höhlensysteme" aus Ausgängen, Eingängen, die steil abfallen und als Falllöcher bezeichnet werden sowie im Inneren aus einer Wohnkammer, einer Vorratskammer und einer Kloake.

Feldhamster sind Winterschläfer, was sich als Notwendigkeit in der kontinentalen Heimat mit langen und kalten Wintern ergibt. Die Diapause beginnt meist im Oktober und endet zum Anfang April, wobei im Herbst und zum Frühjahr hin ein kurzfristiger Wechsel aus Wach- und Schlaftagen zu beobachten ist. Während des Mittwinters dauern die Schlafphasen mehrere Tage und die Hamster sind im mehr-tägigen Rhythmus nur einige Stunden wach zur Nahrungsaufnahme aus der Vorratskammer.


Die eingetragenen Mengen in die Vorratskammern können mehrere Kilogramm betragen (bis 34 kg). Meist sind es jedoch zwischen 1 und 2 kg. Durch dieses Verhalten fanden die Feldhamster auch Eingang in unseren Sprachgebrauch, wo wir von "Hamsterkäufen" oder "hamstern" sprechen. Auch seine "Hamsterbacken" sind sprichwörtlich, da er die dehnbaren Backentaschen nutzt, um Nahrung in seinen Bau einzutragen. Seine Vorratsnahrung besteht dabei wesentlich aus Getreidekörnern aber auch Erbsen, sofern sie angebaut werden.

Der Feldhamster wird von zahlreichen Beutegreifern als Nahrungstier genutzt, weshalb er interessante Feindvermeidungs- bzw. Abwehrstrategien entwickelt hat. Zum einen stürzt er sich, wenn er sich nahe genug am Fallloch befindet, bei Gefahr in seinen Bau. Dies gelingt aufgrund seiner eher mäßig schnellen Fortbewegungsfähigkeit, die seinen kurzen Beinen geschuldet ist, jedoch nicht in allen Fällen. Angesichts bedrohlicher Situationen haben Feldhamster verschiedene Strategien entwickelt, um Fressfeinde abzuschrecken. Bleibt die Flucht in den Bau unmöglich, richten sich die Wühler auf ihren Hinterbeinen auf, blasen ihre Backen auf und wirken so größer. Untermauert wird die Abwehrhaltung durch lautes Knurren und Zischen, was die Gegner einschüchtern soll. Letztlich zeigen Feldhamster in solchen Situationen ihre prominenten Schneidezähne. Erzielt dieses Abschreckverhalten nicht das Ablassen des Feindes von seiner avisierten Hamsterbeute, wirft sich der Nager auf den Rücken und zeigt seine schwarze Bauchseite, die in Verbindung mit den weißen Pfoten das Maul eines großen Beutegreifers imitieren soll, wobei die weißen Pfoten Fangzähne vortäuschen.

Obwohl der Feldhamster trotz dieser ausgeklügelten Feindvermeidung vielen Beutegreifern zum Opfer fällt, ist die derzeitige Gefährdung der Art ursächlich auf Umstellungen der Landwirtschaft mit zunehmend industrialisierter Produktionstechnik und Veränderungen im Feldfruchtanbau zurückzuführen. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass erst die Urbarmachung durch den Landwirtschaft betreibenden Menschen einen nennenswerten Wiedereinzug der Art in die nacheiszeitlich zunehmend bewaldeten Gebiete Zentral- und Westeuropas ermöglicht hat.

So ist der Feldhamster in Luxemburg bereits ausgestorben und nahe dem Aussterben in seinen noch übrigen westeuropäischen Verbreitungsgebieten. Durch Gesetze, Richtlinien und internationale Abkommen genießt der Feldhamster einen hohen Schutzstatus.

Die Fortexistenz des Feldhamsters ist auf Schutzprojekte einzelner Organisationen angewiesen. Die Deutsche Wildtierstiftung sowie die Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz bemühen sich um Maßnahmen. Dabei lassen Landwirte gegen Zahlung von Kompensationsmitteln Getreidestreifen stehen, um Rückzugs- und Nahrungsräume zu gewährleisten. Für die nächste Förderperiode im Agrarsektor der EU, die im Jahr 2020 beginnt, sollten solche oder ähnliche Maßnahmen zur Routine werden, denn davon würden auch viele andere Arten der Feldflur sehr profitieren.